Naturheilzentrum Stade

Mistel (Vicsum album)

Einleitung

Viscum album (europäische Mistel) wird schon seit Jahrhunderten bei medizinischen Indikationen verwendet. Hildegard von Bingen (1098-1179) gibt verschiedene Indikationen für die (orale) Verabreichung von Viscum album an. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es Rudolf Steiner (1861-1925), der die parenterale Verabreichung von Viscum album bei der Behandlung von Krebspatienten vorschlug. Daher wird Viscum album seit 1923 auf dem Gebiet der Onkologie verwendet und erforscht. Im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurde Viscum album auch klinisch erforscht als Immunmodulator bei chronischen Virusinfektionen wie HIV, HPV (Human-Papillom-Virus) bei Frauen mit zervikaler Dysplasie und HCV (Hepatitis C).

Es ist bekannt, dass die Extrakte der europäischen Mistel (Viscum album Loranthaceae) eine Vielzahl biologischer Aktivitäten unterstützen, wie etwa die Zytokinproduktion immunrelevanter Zellen, die Verbesserung der natürlichen Killerzellaktivitäten und die Immununterstützenden Aktivitäten.


Viscum album und Immunmodulation

Die Immunmodulierenden und Krebs bekämpfenden Aktivitäten von Viscum werden durch biologisch aktive Komponenten verursacht wie Lektine (Glukoproteine), Viscotoxine, Alkaloide and Polysaccharide. Insbesondere die Mistel-Lektine (ML) unterstützen signifikante Aktivitäten und sind daher sehr intensiv erforscht worden. Drei Hauptgruppen von Lektinen sind identifiziert worden: Lektin I (ML-I) hat eine Affinität für D-Galaktose (D-Gal), Lektin III (ML-III) für N-Acetyl-Galaktoseamine (GalNAc) und Lektin II (ML-II) für beide Zuckerarten. Von diesen drei Lektinen ist ML--I am besten erforscht, und seine tumorfeindlichen und Immunmodulierenden Aktivitäten sind gut bestätigt.

Normalerweise wird durch die Immunstimulation und -modulation mit Viscum album eine Th-1-Antwort ausgelöst. Auf diesem Weg wird eine zytokin-abhängige Zytotoxizität provoziert, die eine wichtige Rolle bei den natürlichen Verteidigungsmechanismen gegen Tumorzellen spielt. Eine Th-2-Antwort provoziert die Produktion von IL-4, IL-5, IL-10 etc., und daraufhin erhöhen B-Zellen ihre Produktion von IgG2 und IgG4. Die so erzeugte Zytotoxizität ist (Tumor-)antigen-spezifisch und führt zu einem direkten Zerfall der Tumorzellen.

Daher ist die Überwachung von IgG-Unterklassen während einer Therapie mit Viscum album sehr sinnvoll.

Hinzu kommt, dass in frühen Phasen einer Therapie mit Viscum album Eosinophilie als positiv betrachtet wird und auf eine teilweise oder vollständige Reaktion des Patienten hinweist.


Viscum album und zirkadiane Rhythmen

Im Allgemeinen werden die zirkadianen Rhythmen der Kerntemperatur und ihrer Amplitude im Alter immer starrer und flacher.

Bei Krebspatienten sind diese Rhythmen und ihre Amplitude signifikant gestört. Gewöhnlich ist die Kerntemperatur um etwa 0,6° Celsius gesenkt. Zusätzlich wird die Amplitude flacher. Auch das empfindliche Zusammenspiel von Kern- und Umgebungstemperatur zur Aufrechterhaltung einer stabilen Kerntemperatur wird gestört. Daher könnte man sagen, dass der Krebspatient schneller altert. Die parenterale Verabreichung von Viscum album verbessert diese Funktionen für gewöhnlich signifikant. Mit anderen Worten, Viscum album verjüngt den oben beschriebenen zirkadianen Rhythmus und verbessert so auch die Wärmeorganisation.

Im Institut für Tumortherapie wird Viscum album dazu verwendet, die T-Zell-Funktion zu erhöhen.