Enzymtherapie
Befürworter der klassischen Chemotherapie haben in der Vergangenheit zusätzlichen Therapieoptionen leider wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dies hat sich aber während des letzten Jahrzehnts geändert. In einer Zeit, in der die medizinische Wissenschaft immer spezialisierter wird, sollten Therapeuten (klassische Onkologen und spezialisierte Heilpraktiker) sich darauf besinnen, sich für den Patienten an einen Tisch zu setzen und gemeinsam eine Therapiestrategie zu entwickeln.Wirkungen an der Krebszelle
Tumorzellen können sich mit einer Hülle aus Eiweiß (Fibrine) tarnen. Dadurch werden sie für die Abwehrzellen schlecht erkennbar. Durch eiweißspaltende Enzyme kann diese Hülle aufgelöst werden. Das ist wichtig, denn:Alle Zellen tragen auf ihrer Oberfläche Erkennungsmerkmale, so genannte Antigene. An den je nach Zelle unterschiedlichen Antigenen unterscheidet das Abwehrsystem zwischen körpereigenen und körperfremden Zellen. Vergleichen ließe sich das mit den Nummernschildern an Autos. Krebszellen tragen, um beim Vergleich zu bleiben, getarnte Nummernschilder. Den "Körperpolizisten", den Abwehrzellen, wird es erschwert, Freund und Feind zu unterscheiden. Durch Enzyme werden die Antigene freigelegt. Die Tumorzelle kann erkannt und von Abwehrzellen angegriffen werden.
Bei jeder Geschwulst besteht auch die Gefahr der Metastasenbildung. Diese Gefahr wird durch Enzyme verringert. Die Enzyme mindern die Haftfähigkeit von abgelösten Tumorzellen, und sie machen das Blut dünnflüssiger. Im schneller fließenden Blut finden abgelöste Tumorzellen weniger Gelegenheit, sich irgendwo anzuheften und anzuwachsen. Sie werden abgebaut oder ausgeschieden. Enzyme wirken dadurch der Entstehung von Tochtergeschwülsten entgegen.
Wirkungen auf das Immunsystem
Bei der Abwehr von Krebszellen können sich Immunkomplexe bilden, auch blocking factors genannt. Sie behindern und lähmen das Abwehrsystem. Immunkomplexe entstehen häufig bei der Krebsabwehr. Tumorzellen können ihre Antigene abstoßen oder nach Auflösung von Tumorzellen bleiben die leeren Antigene erhalten. Sie werden von speziellen Abwehrzellen, den Antikörpern trotzdem als "Feind" markiert. Antigene und Antikörper heften sich aneinander. Es entstehen Knäuel, die das Abwehrsystem irritieren und auf falsche Fährten führen. Die feinen Blutgefäße und Lymphbahnen können dadurch verstopfen. Solche Immunkomplexe können von Enzymen aufgelöst werden. Die Aktivität der Fresszellen und Killerzellen kann sich wieder gegen den eigentlichen Feind, die Tumorzellen richten.Welche Enzyme?
In der Krebstherapie werden vor allem eiweißspaltende Enzyme eingesetzt. Es sind vornehmlich Bromelain aus der Ananas, Papain aus der Papaya, sowie Trypsin und Chymotrypsin aus Bauchspeicheldrüsen von Tieren. Die Präparate enthalten diese Enzyme in hoch gereinigter Form. Mischpräparate aus mehreren Enzymen sind wirksamer als einzelne Enzyme.Anwendung der Enzyme
Metastasen-Verhütung: Anwendung vor, während und einige Tage nach der Operation in erhöhter Dosierung:- Immun-Modulation: Langfristige Anwendung nach der Erstbehandlung (Operation) in normaler Dosierung (laut Beipackzettel), meist als Ergänzung und Unterstützung anderer Therapien zur Abwehrstärkung - etwa mit Mistel, Thymus, Peptiden, Vitaminen oder anderen Maßnahmen.
- Minderung von Nebenwirkungen: Anwendung während einer Chemo- oder Strahlentherapie in erhöhter Dosierung, ratsam zusammen mit Radikalenfängern (Beta-Karotin, Vitamin C und E, Selen, Glutathion) sowie Mistel oder Thymus bzw. Peptiden.
- Behandlung von Begleiterkrankungen: Nach Operationen können Lymphödeme auftreten. Bei Patienten, deren Abwehrkräfte geschwächt sind, kann es zu Infektionen mit Herpes zoster kommen. Eine Hochdosierte Enzym-Behandlung kann hilfreich sein. Bei Ödemen sollen sie zusammen mit Selen und Lymphdrainage angewandt werden.
Dauer der Anwendung und Dosierung richten sich nach Art und Stadium der Erkrankung. Vor, während und nach der Erstbehandlung in der Klinik (Operation) wird zunächst eine Hochdosierte Einnahme zur Metastasenverhütung empfohlen. Das ist etwa die zwei- bis dreifache Menge der im Beipackzettel angegebenen Dosierung mit Dragees. Oder man wendet die Enzyme als Klistier an.
Nach einigen Wochen kann dann zu einer Dauertherapie übergegangen werden. Die tägliche Dosis wird auf das Normalmaß reduziert (laut Beipackzettel oder Angaben des Therapeuten).
Diese Dauertherapie wird auch bei fortgeschrittenen, metastasierten Tumorleiden angeraten. Liegen nach etwa einem Jahr keine Anzeichen mehr für ein Fortschreiten der Erkrankung vor - wenn alle Nachuntersuchungen keine krankhaften Befunde ergeben haben - kann zu einer Intervall-Therapie übergegangen werden. Sie besteht in einer periodischen Stimmulierung des Immunsystems: Eine Woche lang Einnahme des Präparats in Normaldosis, drei Wochen Pause, eine Woche Einnahme, Pause usw.
In den ersten Tagen der Enzymbehandlung sollten Enzyme in einer etwas höheren Dosierung als angegeben eingenommen werden, um eventuell vorliegende Hemmnisse bei der Aufnahme zu beseitigen. Die Einnahme soll mit reichlich Wasser zwischen den Mahlzeiten erfolgen. Die Dragees oder Tabletten dürfen nicht zerkaut werden.
Hinweis: Enzyme wirken vornehmlich als Wirkungsverstärker für andere Therapien. Deshalb sollte ihre Anwendung in der Krebsbehandlung mit weiteren Mitteln zur Abwehrstärkung verbunden werden. Die Wirksamkeit von Mistel-, Thymus- oder Peptidpräparaten kann dadurch erhöht werden. Bei Bewilligung werden im Institut für Tumortherapie Enzyme verwendet, die es ermöglichen, die biologischen Abwehrmechanismen gegen Krebs zu verbessern. Doch bedarf es großer Sorgfalt in der Wahl der Enzyme und ihrer pharmakologischen Darreichungsform.